Sicherheit im Gebirge

Mit Schneeschuhen ein erreichbares Winterziel - die Selbstversorgerhütte Rifugio Sernio.
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Meine Ansichten zu den steigenden Unfallzahlen in den Bergen

Tatsache ist, das das zurückliegende Jahr 2018 eines der unfallreichsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen von Unfällen in den Alpen ist. Ein Grund ist sicher der warme und sonnenreichsten Sommer in der Geschichte der Alpen. Wandern und Bergsteigen, sowie Mountainbiken liegen voll im Freizeittrend. Volle, ja übervolle Berghütten, ausgebuchte Hotels und Pensionen, sowie randvolle Campingplätze sind die Schattenseiten des Bergtourismus. Das hierbei auch die Unfallzahlen steigen, ist wohl zwangsläufig.  Muss das aber sein ?

 

Gründe für Unfälle im Gebirge

Auffällig ist für mich, eine Verschiebung der Unfallursachen. Waren es in den achtziger und neunziger Jahren oft ungeeignete Ausrüstung und das Verlaufen in der Landschaft, so ist es heute oftmals die Selbstüberschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit. Da kommen mir bestausgerüstete Wanderer und Bergsteiger entgegen, mit modernen GPS, und scheitern dann an einer natürlichen Unterbrechung des Bergsteiges. Weil einfach nur die Erfahrung und Trittsicherheit für steiles Geröll nicht vorhanden ist - von der Fitness und Kondition will ich gar nicht erst schreiben. 

Bei aller Analyse von meiner Seite scheint die Hauptursache dafür das Handy - Mobilfunktelefon - zu sein. Sollte es mal zu Problemen kommen, kann man ja fast immer problemlos Hilfe per Handy rufen.  Welch ein Trugschluss !

 

Beispiele für Mode Erscheinungen im Bergsport

Bereits vor 30 Jahren machte der DAV Sicherheitsbeauftragte Pit Schubert auf vielerlei Fehler im Bergsport in Vorträgen und Büchern aufmerksam, welche auch noch heute gelten.

Das ist der Klettergurt, welcher oftmals bei Klettersteigen und Wandtouren benützt wird. Zu 90 % sehe ich nur noch einen Beckengurt, welcher getragen wird. Bei einem Sturz sind Verletzungen im Lendenwirbelbereich oftmals recht schwer bis zu Querschnittslähmungen. Nur ein Komplettgurt aus Beckengurt und Brustgurt bietet optimale Sicherheit vor schwerwiegenden Verletzungen - am besten in einem Stück gefertigt.

Immer wieder unterschätzt werden Altschneefelder und nassen Steilwiesenhänge. Selbst neue und beste Schuhsohlen kommen hier an Grenzen und bei Abrutschungen kommt es oft zu fatalen Unfällen mit oftmaliger Todesfolge. Hier würden die altmodischen Grödeln bereits das schlimmste verhindern und auch ein gesichertes Bergseil leistet Hilfe.

Steinschlag ist auch eine immer wieder kommende Unfallursache. Hier hilft ein Steinschlaghelm, die größten Verletzungen zu mindern. Aber die Vermeidung von Steinschlag ist deutlich der bessere Ansatz. Hier gilt der alte Bibelvers: was man dir gegenüber nicht tun sollte, sollte man auch anderen gegenüber nicht tun. Achtsames Gehen bei losen Geröll ist keine Kunst, nur eine Frage der Aufmerksamkeit und die Denke - ich bin nicht alleine hier unterwegs !

 

Das Wetter - immer ein Thema

Alle reden von der Erderwärmung und der Klimaveränderung. Das ist eine Tatsache!  Für uns Gebirgstouristen hat dies eine unmittelbare Folge. Im vergangenen Sommer immer wieder zu spüren: wenn es dann endlich mal regnete, kamen Unmengen von Wasser herunter - Starkregen mit 80 bis 130 Liter auf dem qm. Folge waren Abrutschungen, Gerölllawinen und Murenabgänge. Das hier auch die Bergsteige und Wanderwege betroffen sind, ist nur natürlich. Die Veränderungen in den Alpen sind beeindruckend. Schwindende Gletscher, Bergstürze und ganz abgetragene Berghänge. Das hierdurch auch Unfälle passieren, ist nachvollziehbar, aber doch meistens auch vermeidbar. In einer Hütte einfach bleiben und abwarteten, und wenn notwendig den einfachsten Steig ins Tal zu benützen ist doch eigentlich kein Problem - oder ?

 

Sichere Wintertouren bei besten Bedingungen - immer ein Erlebnis !
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Ganz aktuell: der Wintereinbruch in den Nordalpen Januar 2019

Da hat es gerade mal zwei Tage geschneit, es liegt ein bis zwei Meter Schnee in den Bergen und bereits schon mehrere Tote und viele Verletzte wegen Lawinenabgänge. Hier sieht man die Unvernunft der Touristen. Von Anfang an wurde auf den starken Schneefall hingewiesen, wurde sofort auch gesagt, das der Schnee recht nass sein wird. Bereits nach einen halben Schneetag wurde eine Lawinenwahrung heraus gegeben und am nächsten Morgen erste Gebiete für Touristen gesperrt. Und was passierte ?  Gleich zwei Touristen verunglückten tödlich beim Tourengehen. Hier habe ich keinerlei Mitleid !  Für die Bergwacht aber ein Job, welche die Bergretter selbst oftmals in Lebensgefahr bringt.

 

Sind die vielen Toten und mehrere Tausende Verletzte vermeidbar ?

So wie es bereits Pit Schubert in den achtziger Jahren schrieb, ist es auch meine Erfahrung - ja, viele Unfälle währen sehr einfach vermeidbar gewesen.

Ob nun der Mountainbiker mit voller Geschwindigkeit den Bergweg hinunter brettert, oder der Klettersteig Geher unbedingt bei miesen Wetteraussichten einsteigen musste, oder man bei Nebel unbedingt auf einen Gipfel oben ankommen will, oder man der Ansicht war, eine Wandergruppe mit einem durchlaufenden Bergseil sichern zu können, wenn alle gleichzeitig laufen, immer ist es Leichtsinn, Übermut und Unkenntnis. Bei der Analyse der Unfälle in den letzten 40 Jahren kommt der erfahrene Bergführer zum Schluss - auch bestätigt durch den ehemaligen DAV Sicherheitsbeauftragte Pit Schubert - das nur 7,5 % der Unfälle mit Verletzten und Toten nicht vermeidbar gewesen waren. Der Rest aber, 92,5 %, immerhin über 1000 Tote in der Zeit ab 2000, hätten nicht verunglücken und sterben müssen.

 

Schlusswort

Mir sagte vor vielen Jahren ein Südtiroler Bergführer mal den Satz:  Wenn jeder Bergtourist mit Weitblick und Respekt in den Bergen unterwegs wäre, wäre die An- und Abreise mit dem Auto in die Dolomiten das gefährlichere Unternehmen.

Dem habe ich hier nicht zu zufügen.

Beginn der Ferrata unterhalb der Vajont Staumauer in den Friaulaner Dolomiten - bestens gesichert !
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